Presse

Kommentar der Redakteurin Elisabeth Meyer in der Barmstedter Zeitung am 2. November 2019

Schade, dass es sie geben muss

Fast jeder fünfte Viertklässler in Deutschland kann einen Text nicht sinnentnehmend lesen.
Das ist das traurige Ergebnis der internationalen Grundschulstudie Iglu von 2016.
Es dürfte sich kaum gebessert haben.
Außerdem klagen Lehrer – auch an kleineren Schulen wie im Barmstedter Umland – über Schüler, die sich nur wenige Minuten am Stück konzentrieren können, weil sie durch die digitale Dauerbeschallung von Reizen überflutet werden.
Doch wenn Kindern und Jugendlichen alles nur noch häppchenweise, am besten bewegt und auf dem Bildschirm, serviert wird, verlernen sie das eigene Denken, das logische Denken und die Kreativität.
Wo soll das hinführen? Experten raten Eltern, ihren Kindern täglich mindestens 15 Minuten lang vorzulesen. Doch auch das dürfte immer weniger passieren; viele Kinder werden einfach vor den Fernseher gesetzt.
Da sind sie ruhig, und auch die Eltern müssen sich keine Mühe geben.

Das Gegensteuern dürfen dann andere übernehmen: die Lehrer und – weil auch die zunehmend überfordert sind, wenn sie, statt unterrichten zu können, erstmal die Grundlagen dafür schaffen müssen – die Lesementoren. Es ist daher gut, dass es sie gibt. Und schade, dass es sie geben muss.